Mitte des 19. Jahrhunderts wandte Europa von Neuem sein Interesse dem Heiligen Land zu: Das Osmanische Reich, zu dem damals auch Palästina gehörte, gewährte erstmals auch den nicht-muslimischen Einrichtungen das Recht, Grund und Boden zu erwerben. Neue Verkehrswege wurden erschlossen, um die Pilgerfahrt zu den Heiligen Stätten zu ermöglichen. Diese beiden Aspekte förderten die Entstehung des Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie in der Altstadt von Jerusalem, das in diesem Jahr sein 150.-jähriges Bestehen feiert.
Der damalige Wiener Erzbischof Josef Othmar von Rauscher ersuchte Kaiser Franz Joseph um seine Mithilfe, der Idee eines eigenen österreichischen Pilgerhauses Leben einzuhauchen. Das Hospiz war in der damaligen Zeit die erste Pilgerherberge nach den Tagen des Lateinischen Königreiches von Jerusalem. Ein wissenschaftliches Symposion sollte anlässlich dieses Jubiläums wichtige Fragen der Stiftung und Gründung des Hospizes beleuchten. Der Salzburger Erzbischof Dr. Alois Kothgasser repräsentierte die Österreichische Bischofskonferenz als den Träger des Hauses, der Ehrenschutz Karl Habsburgs schlug die Brücke zu unserem "Gründervater" Franz Joseph.
Als Referenten konnten ausgewiesene Experten gewonnen werden: Prof. Wolfgang Bandion (Wien), Univ. Doz. Dr. Helmut Wohnout (Universität Graz) und Univ. Prof. Lily Arad von der Hebräischen Universität erhellten in einem Halbtags-Symposion die machtpolitischen Rahmenbedingungen des damaligen Kräfteverhältnisses der europäischen Mächte, die Herkunft und Bedeutung des Titels "König von Jerusalem", den die Habsburger für sich in Anspruch nahmen, und die Thematik der "friedlichen Wallfahrten" in das Heilige Land, ein Konzept, das die alte überkommene Idee kriegerischer Eroberung der Heiligen Stätten ablösen sollte.
Der Festtag wurde durch einen feierlichen Dankgottesdienst in der Kapelle des Hospizes unter dem Vorsitz des Hwst. Herrn Erzbischofs von Salzburg, Dr. Alois Kothgasser, eröffnet. William Shomali, Weihbischof von Jerusalem konzelebrierte in Vertretung des Lateinischen Patriarchen; Rektor Markus Bugnyar und P. Othmar Amtmann OSB (Erzabtei Pannonhalma) assistierten. Für die musikalische Gestaltung sorgte der Chor "Charlotta Choral" unter der künstlerischen Leitung von Eli Gefen, dessen Vater der letzte Kantor der Synagoge in Wien-Währing war. Eine Pilgergruppe des St. Georgs-Ordens und Vertreter des Malteser-Ritterordens sowie des Ordens der Ritter vom Hl. Grab (Ehrenkanzler Dr. Alexander Kragora) und des Deutschen Ordens nahmen ebenso teil wie das österreichische Botschafter-Ehepaar Dr. Franz Josef Kuglitsch, der ungarische Botschafter Csaba Czibere und Dr. Gustav Ortner in seiner Eigenschaft als Präsident der Österreichischen Gesellschaft vom Heiligen Land, dem Freundeskreis des Hospizes.
Zum abendlichen Empfang ehrte uns insbesondere die Anwesenheit Erzbischof Demetrios namens des Griechisch-Orthodoxen Patriarchates, des Propstes der Lutherischen Erlöserkirche, Wolfgang Schmidt, zahlreicher Mitglieder des diplomatischen Korps und erfreulich vieler Freunde aus Jerusalem und seiner Umgebung, vor allem der polnische General Honorar Konsul Zeev Baran.
Insbesondere sei erwähnt, dass die Vizebürgermeisterin von Jerusalem, Naomi Tsur, zu diesem festlichen Ereignis ihren Weg ins Hospiz fand; zu ihren vielfältigen Aufgaben in der Stadtverwaltung gehören ebenso städteplanerische Angelegenheiten. Vize.Bgm. Tsur steht in vielen persönlichen Gesprächen und Arbeitssitzungen unserem Bauvorhaben wohlwollend und tatkräftig zur Seite. Ihrer Einladung folgend besuchten Erzbischof Dr. Kothgasser und die Mitglieder der Familie Habsburg, die Erzherzöge Karl und Georg sowie die jüngste Tochter Karls, Erzherzogin Gloria, am nächsten Morgen das Rathaus von Jerusalem. Tags zuvor hatte Gloria Habsburg-Lothringen dem Holy-Family-Hospital des Malteser-Ordens in Betlehem einen offiziellen Besuch abgestattet; der französische Fürst Dominique de la Rochefoucault de Montbel empfing sie als Vizepräsident und Träger des Krankenhauses.
Bevor unsere Ehrengäste das Heilige Land verließen besuchten sie gemeinsam die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, wo Karl und Georg Habsburg, begleitet von Erzbischof Dr. Kothgasser und Rektor Bugnyar, das Gespräch mit österreichischen Holocaust-Überlebenden suchten und einen Kranz zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus niederlegten.
Vizekanzler Außenminister Dr. Michael Spindelegger kehrte in den gestrigen Abendstunden mit der ihn begleitenden Delegation hochrangiger Botschafter und Diplomaten im Österreichischen Hospiz zur Heilige Familie zu einem Empfang und gemeinsamen Abendessen ein.
"In Jerusalem zu sein, ohne das Hospiz zu besuchen, das geht nicht", betonte Dr. Spindelegger gleich zum Auftakt seines Besuches, der ganz unter dem Vorzeichen des diesjährigen 150.-Jahr Jubiläums des Hauses stand.
In seinen Willkommensworten dankte Rektor Markus Bugnyar für die Auszeichnung dieses Besuches:
"Ihre Stunden im Heiligen Land sind sehr begrenzt, Ihre aktuelle Mission von großer Bedeutung für die Region, und dennoch finden Sie Zeit zu einem Besuch in dieser österreichischen Enklave in der Altstadt von Jerusalem. Das freut und ehrt uns.
Das Österreichische Hospiz ist sich seiner historischen Bedeutung und heutigen Verantwortung an diesem so wichtigen und zugleich heiklen Ort bewusst; diese Rolle können wir aber nur wahrnehmen, wenn sie uns auch zugestanden wird.
Ihr Kommen bestärkt uns in unserer täglichen Arbeit ebenso wie in unserer inhaltlichen Schwerpunktsetzung, in dieser Heiligen Stadt Jerusalem einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zu leisten."
Vizekanzler Dr. Michael Spindelegger besuchte in seiner Funktion als Außenminister bereits zum dritten Mal das Österreichische Hospiz.
Wien einmal anders
Österreich ist als Kulturland bekannt und beworben, Wien hat als Stadt der Museen einen weltweiten Ruf. Doch abseits von den großen Größen, vom Kunsthistorischen Museum, der Albertina oder dem Hundertwasserhaus gibt es in Wien zahlreiche Museumsschmankerln, die kaum jemand kennt - meist nicht mal der Wiener selbst.
Wer kennt in Wien die weltgrößte Sammlung der Zauberkästen, das einzigartige Museum der Mechitaristenkongregation, das Hutmuseum des Kaisers Franz Joseph, das Circus und Clownmuseum, das Bestattungsmuseum oder das Schnapsmuseum?
Die Ausstellung „Wien einmal anders" von der österreichischen Fotografin Barbara Zeidler möchte das mit einem unkonventionellen Blick auf die verborgenen und unbekannten Schätze in Wien ändern.
Bilder der Ausstellungseröffnung © Abbe Libansky
Verehrte Freunde und Gäste des Österreichischen Hospizes
zur Heiligen Familie in Jerusalem!
In diesem Jahr erinnern wir uns - voller Dankbarkeit für die vielen Pilger, die wir beherbergen und betreuen dürfen - an die 150.gste Wiederkehr unserer Eröffnung:
Am 19. Mürz 1863 öffnete das Hospiz seine Pforten!
Konzerte, Symposien, Wallfahrten, Festgottesdienste werden 2013 mehrere Höhepunkte setzen, die von der Vitalität unseres Hauses Zeugnis geben sollen.
2013 soll einen wichtigen Meilenstein auch für die Zukunft unserer Aufgaben in der Hl. Stadt darstellen.
Die Betreuung unserer Gäste und inter-kulturelle Aufgaben standen bereits in unseren Anfangstagen Pate für die Errichtung unseres Hauses, sie sollen auch künftig die Schwerpunkte unserer Arbeit bilden.
Wir alle gemeinsam haben berechtigten Grund,
stolz darauf sein zu dürfen,
„Österreich im Orient" zu repräsentieren,
an diesem für die Menschheit so wichtigen Ort Jerusalem.
Den Auftakt zu diesem Jubiläumsjahr 2013 setzten dieser Tage die Besuche und Festgottesdienste
der beiden Diözesanbischöfe Dr. Alois Schwarz von Gurk-Klagenfurt und
Dr. Ägidius J. Zsifkovics von Eisenstadt,
die mit ihren Pilgergruppen bei uns einkehrten.
Wir sind dankbar für diese Zeichen der Verbundenheit und Unterstützung!
Mit dem altehrwürdigen Armenisch-Apostolischen Patriarchat von Jerusalem
freuen wir uns über die
Wahl von Erzbischof Nurhan Manougian zum 97. Patriarchen seiner Kirchengemeinde,
die sowohl das Gebiet Israels als auch der Westbank und Gaza sowie Jordanien umfasst.
Patriarch Nurhan wurde 1948 in Aleppo, Syrien, geboren und 1971 in Jerusalem zum Kleriker geweiht. Seine Wahl durch die Priestergemeinschaft der Jakobuskathedrale in Jerusalem harrt nun
- gemäß den Regelungen des status quo -
der Zustimmung der israelischen Regierung und des jordanischen Königshauses.
Unser Bild zeigt Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch mit Erzbischof Nurhan anlässlich des Besuches der Österreichischen Bischofskonferenz in Jerusalem im November 2007.
Wann ist der Pilger an seinem Ziel?
In seinem Quartier wohl am allerwenigsten. Hier findet er Verpflegung, Erholung und Rat; der Grund für seine Reise aber sind die Heiligen Stätten, die er besucht.
Seit der Gründung des Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie im Jahr 1856 haben Tausende Pilger hier eine "Heimat fern der Heimat" (so formuliert es unser Gründervater Erzbischof Josef Othmar von Rauscher) für die Dauer ihres Aufenthalts gefunden: Mitglieder der Hocharistokratie wie Wissenschaftler und Künstler und vor allem der "einfache Gläubige".
Sie alle wollten die Orte der Bibel mit eigenen Augen sehen und den Spuren Jesu nachfolgen.
Der Titel unserer Ausstellung HerrgottSuche erinnert an den Ostermorgen in der Stadt Jerusalem, als die treuen Frauen und die Jünger Jesu das leere Grab entdeckten. HerrgottSuche heißen aber auch jene Prozessionen, die am Ostermorgen durch unsere heimatlichen Gassen ziehen, auf der Suche nach dem Auferstandenen.
Die Ausstellung versammelt eine ausgesprochen kleine Auswahl bekannter Persönlichkeiten, die im Österreichischen Hospiz zu Gast waren; ihre Unterschriften sind jene in unseren Gästebüchern, Texte und Bilder zur Illustration stammen aus unserem oder einem privaten Archiv oder aber aus frei zugänglichen Medien wie auch aus der Publikation von Dr. Helmut Wohnout, Das Österreichische Hospiz. Die Geschichte des Pilgerhauses an der Via Dolorosa.
Die Hauptlast dieser Ausstellung trug Florian Schiemer, der gewissenhaft unsere Gästebücher entzifferte und tausende Namen recherchierte; ihm folgten unsere Zivildiener Anselm Becker und Günther Fuchs, Samuel Barwart und Johannes Safron, Philipp Nigitsch und Matthias Perkonigg, die diese Arbeit weiterführten und an ihr - vorläufiges - Ende brachten.
Herrgottsuche ist in erster Linie ein Beitrag zur Geschichtswürdigkeit unseres Hauses, aber auch ein Hinweis darauf, dass wir mit unserem Suchen und Pilgern weder damals noch heute allein sind.
In ihrer Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind alle Menschen berufen, den Ruf Gottes in ihrem Leben zu vernehmen.
Wer seinen Zivildienst nicht zu Hause, sondern in Jerusalem ableisten möchte, kann dies auch im Österreichischen Hospiz zur Heiligen Familie tun! Nähere Informationen und ein Bewerbungsformular finden Sie in der Rubrik: Das Hospiz zur Heiligen Familie - Zivildienst im Österreichischen Hospiz.
Vielen Dank für Ihr Interesse.