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Geschichte des Hauses

Zur Geschichte des Österreichischen Hospizes in Jerusalem
(nach Wohnout H., Das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie, Böhlau 2000)

I. Die Wiederentdeckung des Heiligen Landes in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Es waren vor allem katholische Geistliche, die - geprägt vom Geiste der Romantik - erste, noch ziemlich beschwerliche und nicht ungefährliche Pilgerreisen in das Heilige Land unternahmen. Zurückgekehrt, gaben sie vielfach durch ihre Reiseberichte und Publikationen die Initialzündung für Aktivitäten, die auf den schon bestehenden völkerrechtlichen Verträgen aus dem 18. Jahrhundert zwischen den katholischen Monarchien Europas und der Hohen Pforte zum Schutz der katholischen Kirche in Teilen des Osmanischen Reiches aufbauten.

1847 kam es unter Papst Pius IX. zur Wiedererrichtung des seit dem späten 14. Jahrhundert verwaisten Patriarchalsitzes in Jerusalem. Dass dieser ausschließlich dem Protektorat Frankreichs unterstellt war, ließ in der österreichischen Monarchie Überlegungen reifen, selbst eine sichtbare Präsenz in Jerusalem zu etablieren.

II. Von den ersten Ideen eines Hauses in Jerusalem bis zur Einweihung des Hospizes

Der erste österreichische Konsul in Jerusalem, Graf Josef Pizzamano fand schließlich den Baugrund Ecke Damaskusstraße und Via Dolorosa. Anlässlich einer Reise nach Palästina besuchte der jüngere Bruder Kaiser Franz Josephs, Ferdinand Maximilian, Jerusalem, besichtigte den Baugrund und befürwortete das Projekt.
Kardinal Rauscher beauftragte den Ingenieur-Assistenten im Handelsministerium Anton Endlicher mit dem Bau. Zwecks Gewinnung des nötigen Baumaterials wurden zwei in der Nähe Jerusalems gelegene Steinbrüche angekauft. Sobald im Laufe des Jahres 1855 die Fundamente ausgehoben und die Fundamentmauern errichtet worden waren, fand am Silvestertag 1856 die Grundsteinlegung statt.
Der Legationssekretär der österreichischen Vertretung bei der Hohen Pforte, Franz Ritter von Reyer, schrieb damals nach Wien:
„Es wird nicht nur das schönste Hospiz, sondern auch das solideste Gebäude weit und breit im Oriente sein, würdig des mächtigen katholischen Staates, der es errichtet."

Am 20. Oktober 1858 konnte der Schlussstein gelegt werden. Die Kapelle, für deren Altar Heinrich von Ferstel den Entwurf lieferte und deren Altarbild von Kupelwieser stammt, wurde am 19. März 1863 durch den Lateinischen Patriarchen Josef Valerga feierlich eingeweiht. Mit diesem Tag nahm das Hospiz seine Funktion als Pilgerhaus auf.

III. Die Blütezeit vor 1914

Die Eröffnung des Suezkanals 1869 bot für Kaiser Franz Joseph, unter dessen Titeln sich auch der des Königs von Jerusalem befand, die willkommene Gelegenheit, durch einen Besuch der heiligen Stätten Jerusalems im Namen der Habsburgermonarchie im Heiligen Land eindrucksvoll in Erscheinung zu treten. Seit der Zeit der Kreuzfahrer war er das erste gekrönte Haupt eines katholischen Landes, das nach Jerusalem kam. Franz Joseph nahm nicht nur sein Quartier im Hospiz, sondern gab seinem mehrtätigen Aufenthalt in Jerusalem und Bethlehem ganz bewusst den Charakter einer Pilgerfahrt.
Damit war der religiöse Charakter der Wallfahrt ins Heilige Land auch künftig mit einer patriotischen Note verbunden.

Waren es in den ersten 25 Jahren seines Bestehens noch überwiegend Adelige und wohlhabende Bürger gewesen, die in Kleingruppen mit den seit 1853 zwischen Triest und Jaffa regelmäßig verkehrenden Dampfschiffen des Österreichischen Lloyd ihre Pilgerfahrten in das Heilige Land unternommen hatten, so setzten ab den ausklingenden 1890er Jahren aus dem Gebiet der Monarchie breit angelegte sogenannte „Volkswallfahrten" ein, durch die das Pilgerwesen popularisiert und zu einer auch kleinbürgerliche und vor allem bäuerliche Schichten erfassenden Massenbewegung wurde.

IV. Wechselvolles Schicksal im Ersten Weltkrieg

Der rege Pilgerzuspruch fand mit dem Kriegsausbruch ein jähes Ende.

Im Gegensatz zu den religiösen Instituten Frankreichs, das Feindesland war und dessen Protektorat über das Heilige Land von der türkischen Regierung Ende Oktober 1914 demonstrativ aufgehoben wurde, war das österreichisch-ungarische Hospiz eine Einrichtung eines befreundeten Staates.

Im September 1917 traf ein letztes Mal ein österreichischer Erzherzog im Hospiz ein: Hubert Salvator, in seiner Begleitung der berühmte Orientalist Prälat Alois Musil. Zweck der Reise war nicht nur der Besuch des Erzherzogs bei den österreichisch-ungarischen Einheiten an der Front, vielmehr sollte Musil (eine Art österreichischer „Lawrence of Arabia") die Beduinenstämme auf die Seite der Zentralmächte ziehen.

Im Februar 1918 wurde das Hospiz von den britischen Militärs requiriert und in ein anglikanisches Waisenhaus des „Syria and Palestine Relief Fund" umgewandelt.

V. Das Hospiz in der Zwischenkriegszeit

1923 und 1924 kamen erstmals wieder Pilgergruppen aus dem Gebiet der ehemaligen Monarchie nach Jerusalem.

Im Laufe des Jahres 1936 nahmen die latenten Unruhen zwischen Juden und Arabern derart an Schärfe zu, dass dadurch erstmals auch der Fremden- und Pilgerverkehr beeinträchtigt wurde.

VI. Das Haus in fremder Hand

Bereits am Tag der britischen Kriegserklärung an das Dritte Reich, dem 3. September 1939, wurde das Hospiz von den britischen Behörden beschlagnahmt. Zwischen Mitte September und Weihnachten 1939 diente es als Internierungsort für alle aus dem Deutschen Reich stammenden und in Palästina ansässigen Priester und männlichen Ordensleute mit Ausnahme der Benediktiner.
Rektor Haider wurde im März 1940 in ein Internierungslager bei Akko gebracht, ehe er in der Folge nach Australien deportiert wurde.

Anfang 1948 wurde das Hospiz vom britischen Health Department übernommen und in ein Lazarett umgewandelt. Ab Mitte Mai 1948, als sich die englischen Truppen aus Jerusalem nach Norden zurückzogen und die Kämpfe „zum vollen Krieg" eskalierten, wie die Hospizchronik schreibt, wurde das Lazarett vom Roten Kreuz verwaltet, wobei sich die österreichischen Schwestern aktiv an der Krankenpflege beteiligten.

VII. Der schwierige Weg zur Rückgabe und Wiedereröffnung

Im Oktober 1948 übernahm die jordanische Regierung das Hospiz, um es weiter als Spital zu betreiben.
1961 besuchte auch der jordanische König Hussein das Hospiz; zehn Jahre zuvor war sein Großvater, König Abdallah, bei einem Schussattentat in der Al-Aqsa-Moschee tödlich verwundet worden und im Hospiz, dem nächstgelegenen Spital, in das man den Schwerverletzten gebracht hatte, verstorben.

Am 7. Juni 1967, dem dritten Tag des sogenannten „Sechstagekrieges" zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, war die gesamte Altstadt Jerusalems unter der Kontrolle Israels und damit die mit der jordanischen Regierung getroffene Vereinbarung hinfällig.

Aufgrund der fehlenden sanitären und technischen Einrichtungen verschlechterte sich der hygienische Standard des Spitals immer mehr, dennoch zeichnete sich während der siebziger Jahre keine Lösung ab.

Ab dem Zeitpunkt der Rückgabe des Hospizes an den Erzbischof von Wien im Juli 1985 begannen die Bemühungen, das Hospiz so rasch wie möglich wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen.

Unter dem ersten Rektor nach der Wiedereröffnung, Wolfgang Schwarz, kam der Pilgerbetrieb nach fast fünfzig Jahren wieder in Schwung, ehe sich mit den politischen Krisen ab den 1990er Jahren, beginnend mit dem ersten Irak-Krieg, wieder neue Probleme für das Haus ergaben.

VIII. Gegenwart

Die Euphorie der Wiedereröffnung des Gästehauses wurde alsbald durch die Erste Intifada gedämpft; in Zeiten politischer Instabilität kann das Hospiz nur auf sehr wenige Gäste hoffen. Erst die 90er Jahre des 20. Jhdts. erreichten wieder jene Auslastung unserer Kapazitäten, die es erlauben, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen und immer wieder erforderliche Renovierungsarbeiten und Verbesserungen vorzunehmen.

Es war vor allem die Erfahrung der Zweiten Intifada der Jahre 2000 bis 2004, die uns von Neuem auf die besondere Verortung des Hospizes inmitten der Altstadt aufmerksam machte. Zwischen den beiden Stadtteilen gelegen, wird uns der Ort zum Auftrag, nicht nur österreichische Künstler, sondern auch lokale Kulturschaffende, Israelis und Palästinenser gleichermaßen, einzuladen.

IX. Ausstellung: herrgottsuche...

herrgottsuchewann ist der pilger an seinem ziel?

In seinem Quartier wohl am allerwenigsten. Hier findet er Verpflegung, Erholung und Rat; der Grund für seine Reise aber sind die Heiligen Stätten, die er besucht.

Seit der Gründung des Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie im Jahr 1856 haben Tausende Pilger hier eine "Heimat fern der Heimat" (so formuliert es unser Gründervater Erzbischof Josef Othmar von Rauscher) für die Dauer ihres Aufenthalts gefunden: Mitglieder der Hocharistokratie wie Wissenschaftler und Künstler und vor allem der "einfache Gläubige".

 

Sie alle wollten die Orte der Bibel mit eigenen Augen sehen und den Spuren Jesu nachfolgen.

Pilgern fordert den Körper - in all den Wegen, die bestritten werden;
es bildet den Geist - in all den Worten, Zeichen und Menschen, die uns begegnen
es nährt unsere Seele  - in all der Erkenntnis und dem Trost, die wir gewinnen.


Der Titel Herrgottsuche erinnert an den Ostermorgen in der Stadt Jerusalem, an dem die treuen Frauen und Jünger Jesu das leere Grab entdeckten.
Herrgottsuche heißen aber auch jene Prozessionen, die am Ostermorgen durch unsere heimatlichen Gassen ziehen, auf der Suche nach dem Auferstandenen.

Angesichts der Leere eines Lebens ohne Gott, hoffen wir Jesus in unserem Pilgern an den Orten seines Lebens näherzukommen.
Am Ziel ist der Pilger also erst am Ende, das uns den Weg ins himmlische Jerusalem weist.

Die Ausstellung versammelt eine sehr kleine Auswahl bekannter Persönlichkeiten, die im Österreichischen Hospiz Herberge fanden. Ihre Unterschriften sind unseren Gästebüchern entnommen, Texte und Bilder zur Illustration stammen aus unserem oder einem privaten Archiv oder aber aus frei zugänglichen Medien wie auch aus der Publikation von Dr. Helmut Wohnout, Das Österreichische Hospiz. Die Geschichte des Pilgerhauses an der Via Dolorosa. Trotz intensiver Suche konnten die Bildrechte leider nicht in allen Fällen geklärt werden, berechtigten Forderungen kommen wir gerne
nach.

Noch aktive Politiker haben wir nicht berücksichtigt; Personen mit NS-Vergangenheit wollen wir nicht verleugnen, sie illustrieren den problematischen Umgang Österreichs mit den Ereignissen dieser Zeit.

Die Hauptlast dieser Ausstellung trug Florian Schiemer, der gewissenhaft unsere Gästebücher  entzifferte und tausende Namen recherchierte; ihm folgten unsere Zivildiener Anselm Becker und Günther Fuchs, Samuel Barwart und Johannes Safron, Philipp Nigitsch und Matthias Perkonigg, die diese Arbeit weiterführten und an ihr - vorläufiges - Ende brachten.

Herrgottsuche ist in erster Linie ein Beitrag zur Geschichtswürdigkeit unseres Hauses, aber auch ein Hinweis darauf, dass wir mit unserem Suchen und Pilgern weder damals noch heute allein sind.
In ihrer Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind alle Menschen berufen, den Ruf Gottes in ihrem Leben zu vernehmen.


Buch: Das Österreichische Hospiz in JerusalemDas Österreichische Hospiz in Jerusalem
Mit einem Vorwort von
Kardinal Franz König

Verlag: BöhlauWien
Autor: Helmut Wohnout
Seiten: 227
Jahr: 2000
ISBN: 3-205-99095-1,
im Hospiz erhältlich