Österreichisches Hospiz zur heiligen Familie

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7 Sonntag der Osterzeit

Was veranlasst wohl Prediger, ihre Gedanken auch noch ins "Netz" zu stellen?

Sicherlich das Ziel , dadurch ein größeres Auditorium zu erreichen;

die Hoffnung, zur Erbauung der Gemeinde und des einzelnen Lesers beizutragen;

und wohl auch die Überzeugung, dass die Predigt nicht allzu schlecht sein wird.

In diesem Sinne finden sich auf unserer Homepage nur sporadisch einige Notizen; nicht jeden Sonntag gelingt ein "großer Wurf" - doch das Wenige will ich nicht vorenthalten. AMDG.


7 Sonntag der Osterzeit [82,36 KB]


Pfingsten mit Seiner Eminenz Kardinal Miloslav Vlk

 

Das Pfingstfest hat in Jerusalem seinen besonderen Ort: Diese Stadt ist ja eben jener Ort, an dem die Jüngerschar Jesu die Gabe des Hl. Geistes empfing, als neuen Beistand vom Vater. Wir freuen uns darüber, diesen hohen Feiertag mit Kardinal Miloslav Vlk, dem emeritierten Erzbischof von Prag, feiern zu dürfen.

 

Nach seiner Emeritierung vor wenigen Wochen hatte sich Kardinal Vlk die Heilige Stadt erwählt, um sich hier drei Monate lang auf seinen Ruhestand einzustimmen und damit seinem Nachfolger, Erzbischof Dominik Duka op, den größtmöglichen Spielraum zu gewähren, um in den zum Teil seit Jahrzehnten schwelenden Problemen der tschechischen Kirche, seinen eigenen Akzente setzen zu können.

 

Die Biographie des Kardinals spiegelt die Geschichte der katholischen Kirche in der Zeit eines kommunistischen Regimes: Nach seiner Matura 1958 war es ihm zunächst unmöglich, in ein Priesterseminar einzutreten; zehn Jahre davor wurden mit einer Ausnahme in Prag alle Priesterausbildungsstätten des Landes geschlossen. Miloslav verdiente seinen ersten Lebensunterhalt als Automechaniker und begann nach dem Abschluss seines Militärdienstes das Studium der Archivkunde an der altehrwürdigen Karls-Universität in Prag (gegründet 1348). 1960 durfte er mit dem Theologiestudium beginnen, 1968 wurde er zum Priester geweiht.

Wie Vielen seiner Mitbrüder war ihm eine öffentliche, seelsorgliche Tätigkeit verwehrt: Die Kirche hatte sich in eine romtreue und eine staatliche aufgespalten. Der spätere Erzbischof von Prag nahm eine Stelle als Fensterputzer verschiedenster Geschäfte an.

"Manche der Verkäuferinnen wussten natürlich, was ich wirklich bin. Sie haben oftmals die Kontakte hergestellt, Leute angerufen, von denen sie wussten, sie wollen mit einem Priester sprechen, und ihnen gesagt, in welcher Straße, an welchem Geschäft ich gerade arbeite. Auf der Straße zu stehen, war nicht weiter auffällig, sollte uns jemand beobachten. Später wurde auch das schwierig. Ich hatte mir überlegt, wo kann ich nun hingehen, an welchem Ort würden solche Zusammenkünfte nicht weiter auffallen und verdächtig wirken. So ging ich ins Bezirksgericht. Auf den langen Gängen saßen ja immer Menschen und warteten. Dort kam meine Seelsorge niemandem verdächtig vor" erzählt Kardinal Vlk dem Rektor des Hospizes.

 

Die Aussöhnung dieser beiden Teile der Kirche, der geheimen, romtreuen im Untergrund und der staatlichen, kommunistisch-kontrollierten, sollte eine der Hauptaufgaben des späteren Kardinals werden. Seine Position ist jene der Mitte: Im Untergrund konnte man Widerstand leisten und riskierte viel - in dem Versuch der Zusammenarbeit mit den Kommunisten konnte man im öffentlichen Raum der Gesellschaft präsent bleiben.

 

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Miloslav Vlk 1990 Bischof der Stadt Budweis; 1991 Nachfolger von Frantisek Tomasek als Erzbischof von Prag, 1994 zum Kardinal kreiert, mit der Titelkirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom. Sein jetziger Aufenthalt in Jerusalem schließt diesen Bogen.

 

Seit 17 Jahren verhandeln Kirche und Regierung über den Prager Veitsdom, der 1954 im Zuge der Enteignung aller Kirchen des Landes unter staatliche Verwaltung gestellt wurde. "Eine Diözese ohne Kathedrale ist eine Diözese ohne Herz", so Erzbischof Vlk in einem Interview für Bayern-online am 19. Mai 2010. Diesen Streit musste Kardinal Vlk schweren Herzens ungelöst an seinen Nachfolger übergeben. 2006 wurde der Veitsdom der Kirche zugesprochen, 2007 wurde dieses Urteil durch den Obersten Gerichtshof wiederum revidiert. Heute hält der Staat die Schlüsselgewalt über Kirche und Einnahmen aus dem Ticketverkauf.

 

Inmitten des historischen Regierungssitzes auf dem Hradschin ist diese Domkirche Symbol der Landesgeschichte. Als Krönungsort und Begräbnisstätte der böhmischen Herrscher mag er für den Staat wichtig sein, als Sitz der Prager Erzbischofe ist er das Zentrum der Kirche. "Wir haben sie gekrönt, die Könige. Ein Erzbischof, der einen König krönt, kann nicht dessen Untermieter sein."

 

In seiner Predigt kam Kardinal Vlk auf die Bedeutung des Hl. Geistes in der Heilsgeschichte zu sprechen:

 

"Er ist es, der bereits am Anfang bei der Erschaffung der Welt zugegen war; er ist es, der durch die Propheten zu uns spricht; in Jesus wird er Gegenwart.

Warum hat wohl Gott nach Ostern noch 50 Tage gewartet, bevor er den Hl. Geist sandte? Am Pfingstfest feiert das Volk Israel die Gabe der Zehn Gebote. Genau an diesem Tag wollte Gott seinen Neuen Bund mit seinem Volk schließen, so wie er durch die Propheten verheißen wurde. Nicht mehr auf Stein, sondern in die Herzen der Menschen sollten seine Worte nun geschrieben stehen."

 

"Christus wirkt durch den Hl. Geist. Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, ist er mitten unter uns. Im gemeinschaftlichen Miteinander ereignet sich immer neu die Sendung und Gegenwart des Geistes; er ist es, der Christus in die Welt bringt und uns zu seinen Zeugen macht. In der Liebe, die wir einander erweisen, entsteht und lebt Kirche. (...) Es sind gerade Frauen, die ein besonderes Talent zu einer solchen Leben-schenkenden Liebe haben; in einem solchen Tun erfüllen sie ihren Teil eines priesterlichen Dienstes. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Christus in die Welt und zu den Menschen zu bringen."

 

Jerusalem am Pfingstsonntag, den 23. Mai 2010